Fakten zum Bartgeier

Name | Aussehen | Zahlen | Verbreitung | Knochen | rotes Gefieder | Kainismus | Markierung | Systematik


Bartgeier Interreg, Juli 2000
Foto ©: Archiv Nationalpark Stilfserjoch - Klaus Bliem

 

Name

In den meisten Sprachen nimmt der Name des Bartgeiers Bezug auf seine borstigen Federn, die über seinen Schnabel hängen. Früher wurde der Bartgeier auch Geieradler, Lämmergeier, Goldgeier, Bartfalk oder Berggeier genannt.

 englisch

 Bearded Vulture

 deutsch

 Bartgeier

 französisch

 Gypaète barbu

 italienisch

 Gipeto

 romanisch

 Girun, Tschess barbet

 wissenschaftlicher Name

 Gypaetus barbatus

 

 

 

Aussehen

Der Bartgeier sieht nicht wie ein typischer Geier aus. Er wird oft mit dem Steinadler verwechselt, der im gleichen Lebensraum vorkommt. Im Flug sind die beiden Arten oft nicht leicht zu unterscheiden.

Ein erwachsener Vogel ist etwas grösser als ein Steinadler. Im Flug fällt der lange keilförmige Schwanz auf. Die Flügel und der Schwanz sind dunkel, der Kopf und die Brust sind hell-rötlich gefärbt. Borstenartige Federn hängen dem Bartgeier über den Schnabel - einem Barte gleich. Wenn der Vogel aufgeregt ist, leuchtet ein auffällig roter Ring um seine Augen.

Die Jungvögel haben schon nach etwa 3 Monaten die gleiche Grösse wie die erwachsenen Tiere. Sie sind aber ganz dunkel gefärbt mit einigen helleren Stellen. Mit fünf bis sieben Jahren tragen die Bartgeier das erwachsene Federkleid.

 

 

Fakten und Zahlen


 Lebensraum

 Gebirge

 Gewicht

 5 bis 7 kg

 Flügelspannweite

 2.7 m

 Geschlechtsunterschied

 keine äusserlichen Unterschiede

 Paarung

 November, Dezember

 Legen der Eier

 Dezember bis Februar

 Brutzeit

 52 bis 58 Tage

 Flügge werden

 110 bis 120 Tage nach dem Schlüpfen

 Alter der Geschlechtsreife

 5 bis 7 Jahre

 

 

 

Verbreitung

Weltweit

Bartgeier leben als Gebirgsbewohner in Asien, Afrika und Europa. Das Hauptverbreitungsgebiet erstreckt sich von den Mittelmeerländern bis zur Mongolei und nach Zentral- und Westchina. In Afrika kommt der Bartgeier vor allem in Ost- und Südafrika sowie im äthiopischen Hochland vor. Eine kleine Population lebt in Südwestarabien.

In Europa

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Bartgeier in den Gebirgen Südeuropas und den Alpen noch recht häufig anzutreffen. Heute finden wir ihn in den Pyrenäen, auf Korsika, Kreta und dem Balkan - und seit 1986 auch wieder in den Alpen, wo mit grossem Aufwand junge Bartgeier angesiedelt werden.

 

 

Knochen

Alle Geier ernähren sich fast ausschliesslich von Aas. Der Bartgeier hat seinen Speisezettel noch weiter beschränkt. Er frisst hauptsächlich Knochen. Das ist durchaus nicht das Schlechteste, was ein Kadaver zu bieten hat. Ein bleicher Knochen enthält 12% Protein, 16% Fett und ein paar lebenswichtige Mineralstoffe. Die spezielle Vorliebe hat noch einen weiteren Vorzug. Kein anderes Tier macht dem Bartgeier dieses Futter streitig, denn Knochen sind für gewöhnliche Tiermägen unverdaulich. Die aggressiven Magensäfte des Bartgeiers werden jedoch selbst mit grösseren Brocken fertig. Dank dem leistungsfähigen Verdauungsapparat kann der Bartgeier diese Nahrungsquelle konkurrenzlos nutzen.

Knochen bis zur Grösse eines Rinderwirbels verschluckt ein Bartgeier ganz. Noch grössere trägt er in seinen Fängen zur "Knochenschmiede". Das ist eine Felsplatte in einem Steilhang. Aus 50 bis 80 Metern Höhe lässt der Vogel die Knochen gezielt auf den Felsen fallen. Durch die Wucht des Aufpralls zersplittern sie in schnabelgerechte Portionen.

 

 

rötliches Gefieder

Lange wunderte man sich darüber, dass das Gefieder an Bauch und Hals bei Bartgeiern in Gefangenschaft reinweiss, bei freilebenden jedoch rötlichbraun war. Bis man merkte, dass die Farbe "aufgeschminkt" ist: Stellt man nämlich den Vögeln in der Voliere ein eisenoxidhaltiges Bad zur Verfügung, färben sie ihre Federn mit dem roten Wasser ein. In der Gebirgslandschaft suchen sie dafür gezielt geeignete Tümpel auf.

 

 

Kainismus

Bartgeier legen meist zwei Eier, in der Regel fliegt aber nur ein Junges aus. Die beiden Eier werden im Abstand von rund einer Woche gelegt. Somit schlüpft der zweite Jungvogel später und ist entsprechend kleiner als sein Geschwister. Junge Bartgeier sind sehr aggressiv. Der Stärkere tötet den Schwächeren in den ersten Lebenswochen. Das zweite Ei bildet eine biologische Reserve, für den Fall, dass das erste unbefruchtet ist oder der Embryo im Ei abstirbt. "Kainismus" heisst diese Verhaltensweise in Anlehnung an den Brudermörder im Alten Testament. Sie ist sinnvoll: Für zwei Küken würde die Nahrung nicht reichen.

 

 

Markierung

Für das Wiederansiedlungsprojekt ist es wichtig, die ausgewilderten Bartgeier individuell zu kennen. Daher werden sie mit einer schonenden Methode markiert. Man bleicht einzelne Federn an Flügeln oder am Schwanz, bei jedem Bartgeier an einer anderen Stelle. Die Markierung hält ungefähr zwei Jahre bis zur ersten Mauser: Dann wachsen dem Vogel neue Federn. Ältere Bartgeier können von Fachleuten aber oft an bestimmten Verhaltensweisen erkannt werden.

 

 

Systematik

Bartgeier gehören zu den Greifvögeln. Innerhalb dieser Ordnung ist die systematische Einteilung jedoch noch umstritten. Hier verwenden wir die Systematik der Schweizerischen Dokumentationsstelle für Wildforschung (SWIS).

Systematische Einteilung

deutscher Name

wissenschaftlicher Name

 

 

 

Stamm

Chordatiere

Chordata

  Unterstamm

Wirbeltiere

Vertebrata

    Klasse

Vögel

Aves

      Ordnung

Greifvögel

Accipitriformes

        Familie

Greife

Accipitridae

          Gattung

Gypaetus

Gypaetus

            Art

Bartgeier

Gypaetus barbatus

 

 

 

              Unterarten

Europäischer / asiatischer Bartgeier

Gypaetus barbatus barbatus

 

Afrikanischer Bartgeier

Gypaetus barbatus meridionalis









last update:
07.01.2013

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