Wiederansiedlung in den Alpen |
![]() Bartgeier Interreg, Juli 2000 Foto ©: Archiv Nationalpark Stilfserjoch - Klaus Bliem |
25 Jahre Wiederansiedlungsprojekt 1978 - 2003 |
Vor 25 Jahren, am 17. und 18. November 1978, wurde in Morges am Genfersee das internationale Projekt zur Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen gegründet. Fachleute aus Frankreich, Italien, Österreich, Deutschland und der Schweiz beschlossen an dieser denkwürdigen Tagung, dass junge Bartgeier aus Zoos und Tierparks für die Auswilderung genutzt werden sollen. Eine gross angelegte Öffentlichkeitsarbeit war nötig, um die Bevölkerung über das Projekt zu informieren. Nachdem ein umfassendes Zuchtprogramm in Zoos von ganz Europa aufgebaut worden war, konnten 1986 die ersten Bartgeier in Rauris (Österreich) in die Freiheit entlassen werden. Seither sind in vier Freilassungs-Regionen 137 junge Bartgeier in Kunsthorsten ausgewildert worden. Die Bartgeier fanden sich erstaunlich gut zurecht im Alpenraum. Inzwischen haben sich schon mehrere Paare gebildet. 1997 war es dann so weit: Phénix, der erste in der Natur geschlüpfte Jungvogel flog aus seinem Horst in Hochsavoyen aus. Seither sind 27 junge Bartgeier in der Natur geschlüpft und ausgeflogen. |
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Noch ist das Projekt jedoch nicht zu Ende. Vielmehr sind weiterhin grosse Anstrengungen erforderlich, um ausreichend zoogeborene Vögel freizusetzen, die im Alpenraum lebenden Bartgeier zu überwachen und die Öffentlichkeit von der Harmlosigkeit dieses grossen Knochenbrechers zu überzeugen. Dies ist nur möglich, dank einer beispielhaften internationalen Kooperation von gegen 50 Institutionen und mehreren hundert Einzelpersonen.
In der Schweiz ist die Stiftung Pro Bartgeier für das Wiederansiedlungsprojekt verantwortlich. An einer Tagung im Natur- und Tierpark Goldau, wo die einzige Bartgeierzuchtstation der Schweiz betrieben wird, wurde auch die Presse über den aktuellen Stand des Projektes informiert. Zum 25-jährigen Bestehen dieses Grossprojektes ist der Bildband Der Bartgeier erschienen.
«Das Projekt zur Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen ist 25-jährig: Ein Überblick», das ist der Titel eine Artikels, der im März 2004 im Ornithologischen Beobachter erschienen ist. Der Ornithologische Beobachter ist die Zeitschrift der «Ala - Schweizerische Gesellschaft für Vogelkunde und Vogelschutz». Die vier Autoren des Textes Klaus Robin, Jürg Paul Müller, Thomas Pachlatko und Chasper Buchli arbeiten alle schon seit Jahren im Projekt mit. Sie geben in diesem Artikel eine kurze, gute Übersicht über die Anfänge und den Verlauf des Ansiedlungsprojektes.
Der 18-seitige Artikel steht hier als PDF-File zur Verfügung (236 kB):
Das Projekt zur Wiederansiedlung
des Bartgeiers in den Alpen ist 25-jährig:
Ein Überblick
2004, Klaus Robin et al, Der Ornithologische Beobachter 101: 1 - 18
Zucht |
Lange Zeit galt die Fortpflanzung der Bartgeier in menschlicher Obhut als unmöglich. Bis zu den ersten erfolgreichen Bruten im Alpenzoo Innsbruck gelang es einzig dem Zoo von Sofia in den zwanziger Jahren mehrfach Bartgeier zu züchten. Eines der Hauptprobleme war dabei die schwierige äusserliche Unterscheidung von Männchen und Weibchen, die das Zusammenstellen von Paaren komplizierte. Denn setzt man zwei Männchen zusammen, verhalten sich diese wie ein Paar, nur eben ohne Eier zu legen. Durch neue Techniken ist die Geschlechtsbestimmung heute bedeutend einfacher. Im Projekt werden alle jungen Bartgeier ausschliesslich von Elternpaaren aufgezogen, da die Aufzucht durch menschliche "Pflegeeltern" zu nicht mehr beeinflussbaren Verhaltensstörungen führt.
Erst durch die Mitarbeit von Zoos in ganz Europa wurde das Wiederansiedlungsprojekt durchführbar. Heute brüten in einigen Zoos bereits die Enkel der ersten Bartgeierpaare. Der Zuchtbestand des Projekts umfasst zur Zeit ungefähr 100 Bartgeier.
Folgende Zoos sind zur Zeit am europäischen Erhaltungszuchtprogramm beteiligt
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Freilassungsorte |
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freigelassene Bartgeier | im Freiland geborenen Bartgeier Die vier Freilassungsorte - jeweils 200-300 Kilometer voneinander entfernt - liegen überwiegend in Naturschutzgebieten oder Nationalparks. Bartgeier kamen früher in allen vier Gebieten vor. Nahezu unveränderte Naturlandschaften und ausgedehnte Felswände bieten hier auch heute ideale Bedingungen für Bartgeier. Hohe Wildbestände zeichnen die Freilassungsorte aus. An den vier Freilassungsorten werden jedes Jahr Jungvögel aus dem Zuchtprogramm in Horstnischen ausgewildert. Voraussetzung dafür ist eine erfolgreiche Brut- und Aufzuchtssaison in den Zuchtstationen. Seit 1986 sind nun über 130 Junggeier in die Freiheit entlassen worden. In den Freilassungsgebieten wurde die Bevölkerung durch umfangreiche Informationskampagnen mit den Bartgeiern vertraut gemacht. Die Betreuung der Jungvögel wird von erfahrenen Mitarbeitern durchgeführt, die Interessierten gerne einen Einblick in das Leben der Bartgeier geben. |
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Freigelassene BartgeierIm Wiederansiedlungsprojekt wurden seit 1986 jedes Jahr Junggeier, die noch flugunfähig waren, aus dem Zuchtprogramm frei gelassen. Zusätzlich zur untenstehenden Liste können Sie auch die Detailangaben zu den einzelnen Bartgeiern abrufen. Überblick über alle freigelassenen Bartgeier in den Alpen (bis 2012)
Verluste bei den freigelassenen Bartgeiern.
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Überblick über alle im Freiland geborenen Bartgeier (bis 2012)
*) Der Jungvogel musste im Sommer 2009 eingefangen werden, da er auf Grund einer Feder-Missbildung nicht flugfähig war. |
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Hier finden Sie den englischen Bericht des Internationalen Bartgeier Monitorings vom März 2010.
Monitoring |
Wo sind die Bartgeier? |
Seit 20 Jahren werden Bartgeier im Alpenraum freigelassen. Über 100 Bartgeier fliegen nun wieder in den Alpen. Der schon ansehnliche Bestand muss überwacht werden, um das erfolgreiche Projekt sinnvoll weiterzuführen.
Vor der Freilassung werden den Junggeiern einzelne Federn gebleicht, um sie so zu markieren. Diese hellen Federn sind schon aus grosser Distanz erkennbar. So können Beobachter auf Grund der Anordnung der gebleichten Federn die jungen Bartgeier individuell erkennen. Diese Markierung fällt aber leider mit der ersten Mauser nach zwei bis drei Jahren weg. Bartgeier im Jugend- und Erwachsenenalter können so nicht mehr individuell erkannt werden.
Wenn ein bestimmter Bartgeier immer wieder beobachtet werden kann, so ist es möglich, ihn an bestimmten Federmerkmalen wieder zu erkennen. Dies setzt jedoch eine gute Beobachtungsfähigkeit voraus.
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Zurzeit ist ein Projekt für ein genetisches Monitoring in Bearbeitung. Für jeden Bartgeier aus dem Zuchtprogramm wird mit einer Blutprobe und einer DNA-Analyse das Geschlecht bestimmt sowie ein genetischer Fingerabdruck erstellt. Wenn nun im Freiland eine Feder gefunden wird, kann im Labor daraus bestimmt werden, von welchem Bartgeier die Feder stammt.
Resultat einer DNA-Analyse |
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Beobachtungsmeldungen |
Für das Wiederansiedlungsprojekt ist es wichtig, zu wissen, wo sich die
frei gelassenen Bartgeier aufhalten.
Deshalb melden Sie uns bitte Ihre zuverlässigen Bartgeier-Beobachtungen!
Sie können dazu direkt das neue online-Formular verwenden oder Sie können Ihre Beobachtung an eine der Projekt-Adressen schicken.
Hilfe zur Bestimmung von Bartgeiern (Information des Internationalen Bartgeier Monitorings IBM)
weitere Projekte |
Um einen nachhaltigen Erfolg des Wiederansiedlungsprojekts sicher zu stellen, führt die Stiftung Pro Bartgeier je nach Bedarf auch Projekte durch, die über die Wiederansiedlung und das Monitoring hinausgehen. Aktuell laufen verschiedene Arbeiten, die das Risiko für Bleivergiftungen minimieren sollen. Weitere Informtionen werden in Kürze aufgeschaltet. |
last update: |
© Wildtier Schweiz, Winterthurerstrasse 92, 8006 Zurich, Schweiz, email: wild@wild.uzh.ch, Tel. ++41 (0)44 635 61 31 |